Wo die Kabel zusammenlaufen

Innovation Vor sieben Jahren begann alles mit der Umrüstung analoger zu digitalen Funkanlagen. Heute baut die Firma Schulz Electronic ganze Einsatzleitwägen komplett aus. Und noch in diesem Jahr steht ein besonderes neues  Projekt an.

 

Kronach – Noch ist die Karosse fast leer. Im Innenraum befinden sich nur das Armaturenbrett und unzählige Kabel. „Das Fahrzeug ist fahrtüchtig, den Inhalt, also die Möbel und die Elektronik, setzen wir komplett auf“, berichtet Dirk Schulz und befestigt eine Steuereinheit für die Sondersignalanlage auf dem Boden des Wagens. In knapp zwei Woche kann der Mannschaftstransportwagen von der Feuerwehr Lupburg in Betrieb genommen werden.

Schulz ist selbst stellvertretender Kommandant bei der Feuerwehr in Fischbach. „Durch das Ehrenamt bin ich bei den Feuerwehren im Landkreis bekannt. Deshalb haben wir schon immer Reparaturen an Einsatzfahrzeugen durchgeführt – beispielsweise, wenn das Blaulicht nicht ging“, erzählt Dirk Schulz aus seinem Arbeitsalltag.

 

Aufträge aus ganz Deutschland

Seine Firma Schulz Electronic, die ihren Hauptsitz in der Kronacher Industriestraße hat, leitet er in zweiter Generation. „Mein Vater war bei Loewe in der Fertigung tätig und hat sich Ende der 80er selbstständig gemacht“, erinnert sich Schulz. Mit den Jahren kamen neben den Reparaturarbeiten nach und nach weitere Geschäftsfelder dazu, wie die Gebäudeautomatisierung und die Modernisierung der Netzwerktechnik in mittelständischen Unternehmen. „Eigentlich machen wir alles, was die Elektrobranche abdecken kann“, sagt der Unternehmer stolz.

Vor sieben Jahren hat Schulz schließlich damit begonnen, sich auf den Sonderfahrzeugbau zu spezialisieren. „2014 wurde der Funk bei den Hilfsorganisationen von analog auf digital umgestellt“, erzählt der gelernte Elektroniker. Um die Geräte der Fahrzeuge umrüsten zu können, war es zunächst nötig, sich für die Hersteller Motorola und Sepura zu zertifizieren. „Anschließend haben dann an einer Ausschreibung des Technischen Hilfswerks in Nürnberg teilgenommen und schließlich 30 Fahrzeuge umgerüstet.“

 

In den Jahren darauf folgten weitere Aufträge.  „Wir haben uns an weiteren Ausschreibungen beteiligt und erhielten erste Anfragen aus der Region“, sagt Schulz. 2016 entschied er sich schließlich dazu, den Komplettausbau von Einsatzfahrzeugen in seiner Firma anzubieten. „Die ersten beiden Fahrzeuge, die wir komplett ausgebaut haben, waren zwei Mannschaftstransportwägen der Feuerwehrschule in Regensburg“, berichtet der Fischbacher. Zur Schule kommen Feuerwehrschüler aus ganz Bayern, so erhielt Schulz bald Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet.

 

Von der Skizze ins Fahrzeug

Insgesamt zählt Schulz Firma 15 Mitarbeiter. „Die Leute, die hier arbeiten, wissen, was gewünscht ist – einige Mitarbeiter sind selbst bei der Feuerwehr, einer beschäftigt sich mit dem Amateurfunk“, erklärt der 42-Jährige den Erfolg seines Unternehmens. Wenn ein neuer Auftrag eingeht, wird zunächst geschaut, ob die Kundenwünsche mit dem Tüv zu vereinbaren und technisch umsetzbar sind. „Der Kunde bekommt dann im Vorfeld eine Skizze, dass er sieht, was machbar ist.“

Wie Schulz berichtet, hätte er 2015 nicht gedacht, dass seine Firma drei Jahre später auch Möbel in die Einsatzfahrzeuge einbauen würden. „Wir haben langsam angefangen und uns Schritt für Schritt gesteigert“, berichtet Schulz. Mittlerweile bauen seine Mitarbeiter sämtliche Möbel, Böden und auch die Sitze eigenständig in die Fahrzeuge ein. Es gibt nichts, was es bei uns nicht gibt.“

 

Großprojekt steht bevor

In der Branche kommt es vor allem auf die Qualität der fertig ausgebauten Fahrzeuge an. „Die Art, wie wir die Fahrzeuge ausbauen ist anders als die der Mitbewerber – wir setzen uns beispielsweise das Ziel, dass nichts am fertigen Wagen klappert“, beschreibt er seine Arbeit. So werden Kabel mit Stoff gepolstert und eine zusätzliche Schaumstoffschicht zwischen der Seitenverkleidung und der Wand des Fahrzeugs angebracht. „Wir sind Elektroniker und setzen das Mechanische obendrauf“, erklärt Schulz den Erfolg seiner Firma.

Nachdem er und seine Mitarbeiter den Einsatzleitwagen der Feuerwehr Küps innerhalb von zwei Monaten komplett mit modernster Technik aufgebaut hatten, folgten weitere. „Das war der nächste Meilenstein.“ Und noch in diesem Jahr stellt sich das Team der nächsten Herausforderung. „Für die Feuerwehr Altena in NRW bauen wir einen LKW zum Gerätewagen-Logistik auf“, beschreibt Schulz das aktuelle Projekt. Der vordere Teil des Wagens, wird den Feuerwehrmännern als Umkleidekabine dienen, im hinteren Teil soll die kontaminierte Kleidung nach Einsätzen abtransportiert werden. Für das Projekt sind sechs Wochen angesetzt.

Quelle: Cindy Dötschel

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